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Abkopplung Bayerns als souveräner Staat. Damit ist ein Kapitel aufgeschlagen, das bei Friedl Brehm mit zu den großen Rätseln gehört: sein politisch-weltanschaulicher Standpunkt. Noch während der Studentenjahre schloß er sich monarchistischen Kreisen an und wurde später Mitglied des "Bayernbundes", einer Dachorganisation bayerischer Royalisten. Ein Teil der "Königstreuen" hatte ein dezidiert föderalistisches Programm, das neben der Restauration der Monarchie auch die Eigenstaatlichkeit Bayerns vorsah. Dieser separatistische Flügel des einstigen "Bayerischen Heimat- und Königsbundes" schloß sich denn auch der "Bayernpartei" an, die der CSU (der machtvollen Anti-Bayern-Partei) eine Zeitlang gefährlich wurde, bis sie von ihr in der Spielbanken-Affäre endgültig "hingemeuchelt" wurde. Der nachrückende "Bayernbund" aber konnte der allmächtigen CSU nichts mehr entgegensetzen. Seine Forderungen hatten eher die Funktion eines weiß-blauen Feigenblattes.

Friedl Brehm spielte beim "Bayernbund"zunehmend die Rolle eines Advocatus Diaboli, der die Mitglieder- und Vorstandsversammlungen mit Geschäftsordnungsdebatten und formalistischen Anträgen zur Weißglut bringen konnte. Dennoch duldete man ihn, schließlich war er seit 1958 der alleinige Redakteur der Partei-Zeitung "Weiß-blaue Rundschau". Dort "schmuggelte" Brehm allerdings nach und nach ganz anderes Gedankengut ein, und 1982 kam es zum großen Krach, woraufhin Brehm aus der "Weiß-blauen Rundschau" ausschied. Bezeichnenderweise war der Stein des Anstoßes ein Artikel, in dem er Linke, die von Berufsverbot und Radikalenerlaß bedroht waren, in Schutz nahm und solche Maßnahmen eher für Rechtsradikale forderte.

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(...) vor Machthabern gibt es keinen Kotau und für selbstsüchtige und machtlüsterne Paragraphenreiter und Phrasendrescher die geistige Peitsche; ein Halt – und das mit Nachdruck – soll nur dem zugerufen werden, der es darauf absieht, den anderen Mitmenschen, andere Art, ihm fremdes Sinnen und Trachten zu unterdrücken, gleich in welcher Weise und Manier; jeder hat das Recht, auf seine Façon zu fühlen, zu denken und zu leben und derart mit anderen, wenn er bzw. wenn sie damit niemandem sonst Gewalt antun, und sie haben ein Recht darauf, anerkannt und respiektiert zu werden. (Friedl Brehm: Vorstellen sollte ich. In: Edelgammler, 1968, Heft 2, S.3.)

So stellte der Verleger Friedl Brehm seine neugegründete Verlagszeitschrift "Edelgammler" vor – der etwas hausbackene Titel sollte dem Erscheinungsjahr Rechnung tragen: 1968. Die nonkonformistische, freidenkerische Sicht des "Gammlers" sollte zu der des "Edlen" erklärt werden, der die Korruption, vor allem auch die geistig-intellektuelle, nicht mitmacht. Die 68er-Bewegung und das Hippie-Aussteigertum hatten auch den damals bereits 51jährigen erfaßt; man sah ihn seit den Tagen der Ostermarschierer nur mehr mit dem Peace-Zeichen an einer Halskette. Doch schon die relativ harmlosen Sticheleien mit der Waffe der Satire (anderswo probte man 1968 schon den revolutionären Umsturz!), auf die sich Friedl Brehm zusammen mit seinen Mitarbeitern in dieser Zeitschrift beschränkte, war anderen damals Anlaß genug, um das Recht, zu denken und zu schreiben, wie es seiner Façon entsprach, streitig zu machen. Friedl Brehm wurde durch den "Edelgammler" eher zum "elenden Gammler"; er verlor wegen dessen Angriffslust seinen festen Redakteursjob und schlug sich fortan als freier Lokaljournalist durchs Leben.

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