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Und dennoch: Obwohl er mit seiner Erscheinung sichtlich bemüht war, den braven Bürger zu schrecken, nahm sich das alles doch eher spitzbübisch als wirklich provokant aus. Dazu trug zum Beispiel auch seine beinahe k.u.k.-mäßige Kavaliers-Mentalität bei: So kam es nicht selten vor, daß dieser grauhaarige Revoluzzer in Jeans bei einer Abendgesellschaft in Frack die Damen mit "gnäd'ge Frau" und Handkuß gegrüßte. – Er liebte die Brüche und das Unkonventionelle. Er verachtete das Dogmatische und die herablassenden Gesten der Mächtigen. Nach etlichen Jahren Arbeit als Verleger und später dann auch als Gründer und Vorsitzender des Vereins der "Mundartfreunde Bayerns" schien man an höchster Stelle der Meinung zu sein, diesen "skurrilen" Einzelkämpfer nun doch einmal ermunternd auszeichnen zu müssen. Ministerpräsident Alfons Goppel ließ ihm einen Silberteller in "Anerkennung der Verdienste um die bayerische Mundart" überreichen. Friedl Brehm, ganz rebellischer Franke, der er war, hängt die Auszeichnung in seine Küche und sprach nur vom "Suppenteller".

Mit diesem Bild eines aufmüpfigen Querschädels also begann ich nach seinem Tod, im Nachlaß zu blättern, in seinen Tagebüchern, seinen eigenen literarischen Versuchen. Mir dämmerte, doch eigentlich einen nur sehr kleinen Ausschnitt seiner Biographie – 7 von 66 Jahren – aus eigenem Erleben zu kennen. Für mich war Friedl Brehm in erster Linie, wie für andere junge Autoren aus seinem Verlag auch, derjenige, der langfristig die Voraussetzungen schuf für eine Existenz als freischaffender Autor. Sein jahrelanges Beharren, die Bücher "seiner", am Anfang völlig unbekannten Autoren unbeirrt zu verlegen, auch wenn der wirtschaftliche Aspekt dabei schlicht ruinös war, ermöglichte dies. Er war einfach das was man früher einen Mäzen nannte.

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Wenn man sich nur mal sein Verlagsprogramm anschaut, erkennt man doch sofort: Toleranz war hier wirklich nicht nur ein Lippenbekenntnis. Was hier an antagonistischem nebeneinander Platz hatte, beweist, daß der bayerische Spruch "Leben und leben lassen" mehr bedeuten kann als die kaschierte Formel der Großkopferten, für "Wir haben die Macht zu leben, wie wir wollen, wie's dabei dem Rest geht, ist uns wurscht".

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