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Aus Kulanz setzte ihm später die "Süddeutsche Zeitung", für deren Starnberger Lokalredaktion er viele Jahre geschrieben hatte, eine Pension aus. Endlich sollte er sich nur mehr seinem Verlag widmen können, den er 27 Jahre lang neben seinem Brotberuf und mit ständigem Drein- und Draufzahlen seiner Journalistenhonorare über Wasser gehalten hatte. Ein halbes Jahr nach der mit Bangen erwarteten Pensionsbewilligung starb Friedl Brehm, am 8. April 1983. Sein Organismus, den er jahrzehntelang durch die Doppelbelastung des Journalisten und "Freizeitverlegers" ausgepowert hatte, gab innerhalb von Wochen mehr und mehr auf: ein wahrscheinlich jahrelang unbehandelter Diabetes wurde entdeckt, das Herz ließ nach, die Nieren versagten. Noch im Krankenhausbett, an das er wochenlang bis zu einem qualvollen Ende gefesselt war, korrigierte er Druckfahnen, plante er neue Projekte...

Dieser Verlust einer gesicherten Redakteurstelle, "nur" des Starrsinnes wegen, eine Zeitschrift nicht aufgeben zu wollen, die einigen Herrschaften etwas zu aufmüpfig war, ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie Friedl Brehm alle drohenden Nachteile in Kauf nahm, um seinem Lebensmotte "Immer gegen die Machthaber" treu zu bleiben. Für uns junge Autoren, die wir seit 1968 nach und nach zu diesem Verleger – zwangsläufig – fanden, schien dieser Titel einer seiner Veröffentlichungen über Ludwig Thoma fast so etwas zu sein wie ein Leitspruch über der ganzen Person und ihrer Existenz: Wir lernten ihn nie anders kennen, als immer gegen die eingestellt, die die Macht ausüben, die die Oberhand behalten, die prosperieren und Karriere machen, während andere, Benachteiligte, ein ewiges Schattendasein führen. Auch sein Programm als Verleger definierte sich geradezu aus diesem "Immer gegen die Machthaber", in diesem Fall die Machthaber der mundartliterarischen Szene:

Probleme und Pläne waren immer die: Der Jugend irgendwie eine Bresche zu schlagen, also der literarischen Jugend, weil ich zu oft erlebt hab, wie etablierte Verlage, aber auch vor allen Dingen etablierte Autoren mir unverständlicherweise zu verhindern suchten, daß der Jugend eine Plattform geboten wurde. Die Auseinandersetzung hatte vielfältige Folgen, man warf mir immer vor, ich würde zu sehr die Progressiven oder die Linken bevorzugen, das war aber nur eine Reaktion, weil die Altetablierten einfach verhinderten, daß die Jungen auch eine Plattform bekamen. Das ging an von den Literaturzirkeln in München, die trotz aller Hinweise, allen Bittens und auch Bettelns den jungen Autoren einfach keine Gelegenheit zum Auftreten gaben.

Alles an Friedl Brehm war darauf angelegt, Widerspruch zu erwecken – ein Zug, der gewiß auch etwas trotzig Infantiles hat; daß Friedl Brehm jemals "erwachsen", geschweige denn altersweise gewesen wäre, läßt sich schwerlich behaupten. Er trotzte noch den unabänderlichsten "Naturgesetzen", so hab ich ihn z.B. nie einen Mantel und selbst im tiefsten Winter nur Sommerkleidung tragen sehen. Er wollte der ewig Rebellierende bleiben, ein "Mundartrocker", wie ihn Felix Mitterer in seinem Nachruf beschrieb, "der schulterlange, weiße Haare trägt, auf der Brust ein Friedensabzeichen, dazu Bluejeans und Holzpantoffeln". Nichts bereitete ihm mehr diebische Freude, als gedankenlos vorgefaßte Erwartungen zu enttäuschen, besonders die an einen Bavarica-Verleger mit Gamsbarthut und Grandeln vor der "Wampen". "Da wo Literatur krawattenpflichtig ist und wo man nur leise auftreten darf, hätten ihn die Museumswächter nicht hineingelassen", meinte sein Autor Josef Wittmann. Und wo Tracht Kostümzwang war – was ja lange Zeit bei Mundartabenden der Fall war -, da wurde allein sein Ein- und Auftreten ein Ärgernis.


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