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Man macht sich gemeinhin keine rechte Vorstellung davon, welche Offenbarung für manchen die erste Begegnung mit Büchern sein kann. Der auffällig kleinwüchsige ... Friedl galt als zurückgezogenes, einzelgängerisches Kind. Jahrzehnte später entdeckte Friedl Brehm in einem Antiquitätenladen ein ovales, bemaltes Holztäfelchen, einen kleinen Buben in kurzen Lederhosen darstellend, der an einem Bach sitzt und versunken auf einer Flöte spielt: Er erinnerte sich sofort an den Maler, der den kleinen Friedl an einem Seitenarm des Rheins als "Modell" für eine oberbayerisch gefärbte Idylle nahm.

Dieses Bild vom einsam Kind, das ganz in seine bescheidene Kunst, das Flötenspiel, versunken ist, scheint mir sehr zutreffend zu sein für seine ganze Kindheit und Jugend. Wer vom Hauptstrom nicht aufgenommen wird, der hockt sich an stillgelegte Seitenarme und spinnt sich ein in ein Leben, wie's im Buch steht. Diese einmal eingeübte Münchhausiade, sich aus dem Sumpf des, später für ihn ja mörderischen Alltags zu ziehen, nützt das ganze Leben hindurch. In den Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, die während des Kriegs entstanden, ist dies die dominierende Mitteilung: Die Kunst, die Literatur, sie erhalten am Leben.

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"Herrgott, ich möchte endlich kulturell schaffen können (...), herzensgern ein großer Kunstförderer sein", heißt es im "Allgäuer Tagebuch". Und bereits im Abiturzeugnis vermerkt der 19jährige in der Spalte Berufswunsch: Verleger. Man kann nun einwenden, das sei der Jugendtraum eines idealistischen Sohnes aus betuchtem Hause, sich als Mäzen unsterblich zu machen. Aber erklärt das, wie einer so fanatisch sein kann, 27 Jahre lang einen Verlag zu betreiben, der nur rote Zahlen schreibt? 27 Jahre lang von trockenem Brot runterzubeißen (was keine Metapher ist: Friedl Brehm schien sich tatsächlich von schwarzem Kaffee, Zigaretten und einem gelegentlichen Kanten Brot zu ernähren!), um sich eine zwar ehrenwerte, aber auch leicht "gspinnerte" Idee leisten zu können: einen Verlag, der ganz offensichtlich nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt wurde, sondern aus Liebhaberei? Er wollte seine Autoren, von denen, bevor er sie verlegt hatte, niemand ein Wörtchen gelesen hatte, in die literarische Öffentlichkeit hieven, und das – im wahrsten Sinne des Wortes – "koste es, was es wolle".

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Friedl Brehm hat erst spät begonnen, sich seinen Jugendtraum, Verleger zu werden, zu erfüllen. (Deshalb mußte er später um so rigoroser alles auf eine Karte setzen.) Als er den Verlag gründete, war dies auch eher zufällig als geplant. Er war kein berechnender Mensch, er reagierte eher situationsabhängig. Und erhatte eine Arbeitskraft wie ein Ochse, immer aber auch mit gesenktem Kopf, d.h. stur durch die Mitte durch, ohne Momente des Innehaltens, des Sicher-Vergewisserns. Er kam schlicht und ergreifend nicht eher dazu, seinen Verlag zu gründen, weil er zu "wuslert" war, zu sehr auch Zeitungsmensch (er studierte nach dem Krieg neben x anderen Fächern auch die Zeitungswissenschaften), weil er überall dabei sein mußte, sich in politische Arbeit stürzte (er war u.a. Mitglied des "Bayernbundes") und 1955 seine erste feste Redakteurstelle bekam. In den Jahren nach dem Krieg trieb ihn vor allem die Frage nach der Zukunft Bayerns um, er raunte später noch andeutungsweise etwas von einer Geheimmission, für die er unter anderem nach Würzburg unterwegs gewesen sein soll: Es ging wohl um die

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